Dieser Artikel soll ein „Rundumschlag“ zum Thema Seeversand sein. Wir schauen uns die Betriebsformen an und beschäftigen uns mit dem Seekonnossement als Transportdokument im Seeversand.

Betriebsformen des Seeversandes

Man unterscheidet grundlegend zwei Arten der Betriebsformen im Seeversand:

Linienschiffahrt

Die Linienschiffahrt folgt festen Fahrplänen. Diese Fahrpläne werden Segelliste genannt.

Mit der Linienschiffahrt wird hauptsächlich containerisierte Ware befördert. Der der Linienschiffahrt zugrunde liegende Vertrag wird Stückgutvertrag genannt und die Vermittlung erfolgt durch Reedereiagenten.

Trampschiffahrt

Bei der Trampschiffahrt chartert ein Unternehmen ganze Schiffe von einer Trampschiffahrtsgesellschaft, um voranging Massengüter zu transportieren. Der Schiffsverkehr erfolgt also nach Bedarf ohne festgelegte Routen.

Bei der Trampschiffahrt heißen die Beförderungsverträge Charterpartie. Die Vermittlung der Verträge erfolgt durch Schiffsmakler.

Ein Reedereiagent handelt in eigenem Namen für fremde Rechnung, ein Schiffmakler in fremden Namen für fremde Rechnung.

Per Gesetz ist ein Seefrachtvertrag ein Werkvertrag. Das bedeutet, dass der Frachtführer den Erfolg der Beförderung verspricht.

 

Das Seekonnossement

Das Seekonnossement (B/L- Bill of Lading) ist das Transportdokument im Seeverkehr. Hier gibt es zwei Arten von B/Ls.

Zum einen gibt es das Übernahmekonnossement: Es bestätigt, dass die Reederei die Ware zur Verschiffung übernommen hat. Zum anderen gibt es das Bordkonnossement, welches bestätigt, dass die Sendung an Bord eines Schiffes geladen wurde. Jedes B/L ist also mindestens ein Übernahmekonnossement. Beim On-Bord-Vermerk kann es sich entweder um ein vorgedrucktes Feld oder eine manuelle Eintragung handeln.

Angaben des B/Ls

Die Reederei erkennt im Übrigen an, dass die Ware im äußerlich unbeschädigten Zustand übernommen wurde, sofern sich kein gegensätzlicher Vermerk (Mängelvermerk) auf dem B/L findet. Ein B/L mit Mängelvermerk nennt man unrein, eines ohne Mängelvermerk rein. Wichtig zu wissen ist, dass Banken unter einem Akkreditiv in der Regel keine unreinen B/Ls akzeptieren.

Gegebenenfalls übernimmt die Reederei durch sogenannte Freizeichnungsklauseln keine Verantwortung für unrichtige Angaben. Typische Vermerke sind zum Beispiel „Said to contain“ (STC), „Said to weight“ (STW) oder „Shipper’s load and count“ (SLAC).

SLAC bedeutet, dass der Ablader den Container beladen und die Packstücke gezählt hat. Die Reederei muss hier die äußere Beschaffung der Packstücke nicht bestätigen.

Die Reederei ist jedoch zur Bestätigung von mindestens einer zahlenmäßigen Angabe: Das Gewicht, die Maße oder die Anzahl.

 

Funktionen eines B/Ls

Ein B/L ist begebbar (negotiable), sofern es an Order aufgemacht wurde. Begebbar bedeutet, dass mithilfe eines Indossamentes die Rechte auf Dritte übertragen werden können (siehe Tabelle weiter unten).

B/Ls besitzen zudem eine Traditionsfunktion. Das bedeutet, dass der Eigentumsübergang durch Einigung und Übergabe der B/Ls stattfindet. Ein Verkäufer liefert zudem nicht erst mit der physischen Übergabe der Ware sondern mit der Übergabe der B/Ls.

Das B/L kann zudem von Käufer oder Verkäufer als Kreditunterlage bei Banken verwendet werden: Schließlich ist es, ein begebbares Wertpapier mit Traditionsfunktion. Die Bank verlangt in der Regel die Aufmachung des B/Ls an ihre Order aufgemacht oder blanko indossiert. Ferner müssen in der Regel alle Ausführungen der B/Ls eingereicht werden. Sollte der Kredit platzen, so kann die Bank die Ware durch Indossieren des B/Ls weiterverkaufen. Beachtet werden muss aber, dass Banken miest nur nur 70 – 80 Prozent des Dokumentenwertes beleihen.

Funktion Für

Erläuterungen & Bemerkungen

Beweis-

funktion

Shipper
  • Äußerlich unbeschädigt (sofern nicht anders notiert) von Carrier erhalten
  • Kostentragung der Hauptfracht
  • Anzahl der Container/Paletten/Einheiten
  • Seefrachtvertrag abgeschlossen
  • Datum der Übernahme (An-Bord-Verladung)

Legitimations-

funktion

Shipper & Consignee
  • Grundsätzlich bei Rückgabe eines Original-B/Ls: Aushändigung der Ware (indossiert)
  • Bei Namens- B/L oder vollindossiertem Order-B/L zusätzliches Ausweisen als Consignee
  • Shipper kann bei Besitz aller Originale abholen

Verfügungs-

funktion

Shipper & Consignee
  • Consignee kann Verfügungen treffen, sobald alle Original-B/Ls vorliegen und an Reederei/ deren Agent zurückgeben
  • Bei Order-Konnossementen kann der Shipper solange Verfügungen treffen, wie er im Besitz aller Original-B/Ls ist

Sperr-

funktion

Shipper & Consignee
  • Solange/Sobald im Besitz mind. 1 Original-B/Ls

Traditions-

funktion

Shipper
  • Eigentumsübertragung auf Empfänger mit Einigung & Übergabe der Original-B/Ls

 

Aufmachung des Empfänger-Feldes

Die Art der Aufmachung des Empfänger-Feldes entscheidet darüber, wer Verfügungen über die Ware treffen kann und die Ware im Zielhafen abholen kann. Es gibt grundsätzlich drei Möglichkeiten:

  Namenspapier Orderpapier mit/ohne Namensnennung
 

Namens-B/L

Rekta-B/L

Order-B/L ohne Namensnennung Order-B/L mit Namensnennung
Eintrag Consignee-Feld Name des Käufers Blanko („To order“ / „order“) Order-Vermerk mit Namen des Käufers „To the order of XYZ“ / „XYZ or order“

Auslieferungs-anspruch & Verfügungs-

recht

Nur namentlich genannter darf die Ware abholen

Ausweisen als Empfänger und Übergabe eines Original-B/Ls

Verkäufer

Bei Blankoindossament: Jeder rechtmäßige Besitzer des Original-B/Ls (Keine Prüfung)

Rückgabe eines Original-B/Ls

Nur der Käufer kann sich die Ware ausliefern lassen

Übergabe eines Original-B/L an Reederei

Indossament Kein Indossament möglich Ohne Indossament ist nur der Shipper selbst berechtigt, die Ware abzuholen Kein Indossament nötig, wenn der genannte Empfänger abholt

Holt ein anderer (z.B. Spediteur) die Ware für Käufer ab, so ist ein Indossament durch den genannten Empfänger nötig (Blanko- oder Vollindossament)

Übertragung der Rechte an den Dritten durch Zession des Consignees und Übergabe der B/Ls

Vermerk auf B/L

Nicht Begebbar, da auf niemandes Order aufgemacht

Indossament des zum Warenerhalt berechtigten

Begebbar

 

Indossament des zum Warenerhalt berechtigten

Begebbar

Das Vollindossament enthält (im Gegensatz zum Blankoindossament) die Angabe, wer zur Abholung der Ware berechtigt sein soll.

Das Namens-B/L ist nicht begebbar. Hier können Rechte an Dritte nur durch Zession (Forderungsabtretung) übertragen werden. Im Gegensatz zu einem Indossament bei Order-B/Ls werden im Falle einer Zession nicht nur die Rechte, sondern auch die Pflichten übertragen.

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